Poker nun offiziell ein Geschicklichkeitsspiel?

In der öffentlichkeit hatte Poker lange Zeit eine recht negative Figur abgeliefert. Als Glücksspiel war es eher in verrauchten Hinterzimmern anzutreffen und galt als minderwertige Beschäftigung für zwielichtige Personen.

Inzwischen hat sich dieses Bild aber deutlich gewandelt, denn mit der steigenden Beliebtheit des Spieles werden auch seine großen Stärken offensichtlich: komplexes strategisches und mathematisches Denkvermögen werden von den Spielern abverlangt und eine sehr große psychologische Komponente wirken oft mehr im Spiel als der pure Glücksfaktor.
Darum besteht inzwischen kein Zweifel mehr: Poker ist gesellschaftsfähig geworden und inzwischen eine boomende Industrie.

Dass diese Tendenz auch an der ganz offiziellen Seite nicht vorbeigeht, konnte man im April an einer Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erkennen: die International Mind Sports Association - kurz IMSA nahm die International Ferderation of Poker in ihre Reihen auf. Diese Entscheidung schließt die Anerkennung durch das olympische Komitee mit ein und hebt somit Poker einen großen Schritt weit aus dem problematischen Bereich des Glückspiels.

Auch wenn somit die Anerkennung des Spiels nur indirekt durch die IOC erfolgte, sprechen viele schon von der Etablierung des Pokers als Geschicklichkeitsspiel. Man kann sogar schon Spekulationen lesen, Poker könne zur olympischen Disziplin avancieren. Anthony Holden - seines Zeichens Vorsitzender der International Federation of Poker - kommendtierte die Entscheidung durch einen Verweis auf die 150 Millionen Pokerspieler in der Welt, die diese Anerkennung verdienten. Ebenso betonte er den wichtigen Einfluss von Wissen und Geschick beim Pokern, der es von den anderen üblichen Casinospielen abhebt und zum Gesellschaftsspiel macht.

Was für passionierte Pokerspieler eine ausgezeichnete Bestätigung darstellt, kann nebenbei auch umfangreiche rechtliche Konsequenzen machen. Sollte beim Poker nicht mehr die deutsche Regulierung für Glücksspiel greifen, könnten ohne Probleme auch private Veranstalter auf dem Markt für Pokerturniere einsteigen. Theoretisch wäre sogar eine staatliche Förderung denkbar, die bei solchen Veranstaltungen unterstützt.

Dies würde aber eine radikale Umstellung für das deutsche Rechtssystem gegenüber Poker bedeuten. Offiziell gilt hierzulande das Pokern als illegal und das seit dem 1. Januar 2008. Doch wenn nun das Spiel Poker der IMSA angehört, steht es - theoretisch - auf der gleichen Stufe mit Dame, Bridge, Go und sogar Schach. So wird gehofft, dass das beliebte Kartenspiel schon 2012 bei den World Mind Sports Games in London vertreten sein wird.

geschrieben am 24.05.2010 von Stefan Endres


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