Sind Bots das Ende des Online Pokers?
Es ist ein inzwischen altes Thema der Online Poker Szene und wird doch immer wieder aktualisiert: die Problematik um die Poker-Bots. Einer der großen hitzigen Höhepunkte dieser Diskussion liegt nun schon einige Jahre zurück, als die ersten wirklich guten Bots auf den Online Poker Markt stürmten und keiner - weder Anbieter noch Spieler - so richtig wussten, wie sie damit umzugehen haben.
Damals wurde viel diskutiert und in diesem Zuge auch viele dunkle Prophezeiungen ausgesprochen. Schon war von einem Ende der Online Pokerszene die Rede - in so manchen Forum verkündeten Schwarzseher, das bald Bots die Online-Pokertische uneingeschränkt dominieren und jeden leibhaftigen Spieler verdrängen würden. Heute sieht man die ganze Sache etwas nüchterner und man kann im Nachhinein sagen, dass das die düstersten Prophezeiungen auch der größte Humbug waren.
Ein kurzer Schritt in die Vergangenheit, um einen wichtigen Impuls der großen Befürchtungen dieser Zeit zu verstehen: vor einigen Jahren forschte man in Kanada - genauer gesagt an der Universität in Alberta - eifrig an einer künstlichen Intelligenz, die sich auf das Pokerspiel spezialisieren sollte. Unter dem Namen "Polaris" wurden mehrere Duelle zwischen Mensch und Maschine ausgetragen und spätestens Polaris II brachte hervorragende Ergebnisse. Mit einem Verhältnis 1 zu 4 triumphierte die Maschine über den Menschen.
Das besondere an diesem Bot war dabei, dass er nicht nach strickten Wahrscheinlichkeiten spielte, sondern aus seinen bereits gespielten Spielen Erfahrungswerte sammelte und somit seine Strategie variierte. Er lernte also, zu spielen und passte somit auch seine Strategie an Situationen an. Der menschliche Konkurrent hatte also eine lernende Maschine vor sich, die ihm im mathematischen Verständnis überlegen war, ihr Spiel variierte, lernte und dabei noch jeder Möglichkeit zur Empathie entbehrte.
Die Meldungen über diese neue Generation der Pokerbots traf die Online Pokerszene gewaltig und es kam zu den Eingangs genannte Befürchtungen. Da gingen schnell die vernünftigen Stimmen unter, wie beispielsweise von den Entwicklern der Poker Bots selbst. "Die Bot Programme sind bei No Limit oder Mulit-Spieler-Tischen keine starken Gegner. Es wäre lächerlich den Erfolg von Polaris II mit einer Katastrophe für Online-Poker gleichzusetzen." sagte Dr. Darse Billings, der an der Universität Alberta selbst an Polaris mitentwickelt hatte.
Bots waren limitiert auf Heads Ups und Spielvarianten und außerdem waren die handelsüblichen Bots, die im Internet kursierten, deutlich "dümmer" und damit viel ungefährlicher als Polaris II. Tatsächlich waren damals wie heute die Standart Bots an den digitalen Spieltischen ausgesprochen leicht zu entlarven und auszuspielen. Damals spielten sie Plump nach Schema F und auch heute - wo sie schon regelmäßig Tische wechseln, Einsatzlimits ändern und sogar Pinkelpausen einlegen - bringen sie für den Nutzer lediglich Plus Minus Null ein; und auch das nur an den Tischen in den niedrigen Limits, wo sich keine Profis tummeln.
Heute bilden Bots ein ganz anderes Problem für die Online Poker Szene, als jenes, dass ahnungslose Spieler über den virtuellen Tisch gezogen werden. Das Hauptproblem mit den Bots stellt dar, dass sie bei ihrer endlosen Anzahl an gespielten Händen jede Menge Rake produzieren und somit Kapital aus dem Spielfluss nehmen. Für den Bot-Nutzer bedeutet das eine ordentliche Rake-Back Zahlung am Ende des Monats, aber dem Anbieter und den anderen Spielern bringt dies gar nichts.
Darum sind auch die Online Portale immer bestrebt, die neusten Scann Programme über ihre Systeme laufen zu lassen und Regelmäßig werden so immer wieder Accounts gesperrt. Alles in allem kann man sagen, dass heute die Problematik zwar nicht verschwunden ist, aber zumindest unter Kontrolle. Von einem Ende des Online Pokers, wie es noch vor einigen Jahren prophezeit wurde, ist auf jeden Fall keine Rede mehr.
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