Franzosen treten in den Pokerstreik

Zunächst klang die Nachricht von der Legalisierung des Online-Pokers in Frankreich nach einem großen Schritt für die Pokerszene. Dachte man aber etwas über das verabschiedete Lizenzsystem etwas nach, machten sich schnell die Befürchtungen breit, Frankreich könnte eine ähnliche Poker-Enklave werden, wie es Italien bereits geworden ist.

Genau das trat ein. Bald sperrten die ersten Anbieter ihre ausländischen Server für die Franzosen und man pokerte in Frankreich nur noch unter sich. Jetzt kommt der nächste Hieb für unsere Nachbarn: die auf Pokereinnahmen erhobenen Steuern lassen die Anbieter nun auch deutlich die Spieler Spüren. Der Rake stieg somit deutlich, nämlich auf stattliche 7,5 Prozent.

Und wie reagieren die Franzosen traditionsgemäß auf diese Entwicklung? Natürlich mit einem Streik: am vergangenen Wochenende loggten sich tausende Spieler in die Pokerrooms ein - besetzten also einen Platz - und klickten auf Sit-Out. Sie spielten nicht und auch sonst konnte dort niemand mehr ein Blatt spielen. Und wenn keine Karten gedealt werden, werden keine Einsätze gemacht und somit bekommt auch kein Anbieter den dazugehörigen Rake. Bis zu 20 Tischen gleichzeitig konnten einige Spieler so blockieren und machten ihren Unmut Luft.

Es ist ein interessantes Phänomen, wie man einen Sitzstreik in der virtuellen Welt umsetzen kann. Die Frage der Rechtfertigung ist damit aber noch nicht geklärt. Die Anbieter fühlen sich missverstanden: der Rake soll nicht die Spieler ausbeuten, sondern repräsentiert den notwendigen Ausgleich für die vom Staat erhobenen Steuern auf die Lizenzen. Isai Scheinberg - seines Zeichens der Gründer von PokerStars - kommentierte die Erscheinung bereits öffentlich und kündigte Offenlegungen an, die das Verlustgeschäft des Anbieters dokumentieren sollen.

Auf der anderen Seite stehen die Nutzer, die sich von den Anbietern ausgenutzt fühlen. Der Vorwurf lautet ganz konkret, dass der Rake unverhältnismäßig erhöht wurde und nun den Spielern tiefer in die Tasche greift, als notwendig wäre. Eine Position, die man durchaus nachempfinden kann.

Tatsächlich zeigt sich etwas Bewegung und die Diskussion ist bereits im Gange. Ob der Streik nun einen Effekt haben wird, bleibt abzuwarten.

geschrieben am 15.07.2010 von Stefan Endres


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