Der fast perfekte Bluff

Das Bluffen gehört zum Pokerspielen dazu wie zum Karten mischen. Das beweisen die Pokerstars, wie auch Chris Ferguson, der unter den Profis wegen seiner langen Haare "Jesus" genannt wird, immer wieder. Mit den schlechtesten Karten schafft er es, seinen Gegner davon zu überzeugen, das perfekte Blatt auf der Hand zu haben. So schaffte der Pokerstar es wahrscheinlich auch fünf Mal Weltmeister im Pokern zu werden.

Der berühmte Pokerstar macht aufgrund des Bluffens momentan allerdings keine positiven Schlagzeilen, sondern ganz im Gegenteil. Zusammen mit anderen Pokerberühmtheiten wie Howard Lederer und Rafael Furst soll der Pokerprofi andere Pokerspieler, die bei Full Tilt angemeldet waren, um insgesamt 300 Millionen Dollar betrogen haben. Dies haben die Stars Medien zu Folge mit Hilfe eines systematischen Vorgehens erreicht. Die Staatsanwaltschaft habe bereits eine Klage gegen die Pokerprofis eingereicht.

Neben seinen fünf Weltmeistertiteln ist Ferguson bekannt dafür, die Pokerseite Full Tilt mitbegründet zu haben, die seit dem Black Friday und nach einigen Anklagen am Markt schwer zu kämpfen hat. Die Webseite gehörte weltweit zu den marktführenden Pokerportalen. Viele bekannte Gesichter galten als Aushängeschilder für das Portal, weil die Pokerprofis ihre Tipps teilweise sogar live auf der Plattform vorzeigten und verrieten. Das Einkommen der Plattform befand sich pro Jahr in Millionenhöhe.

Der Betrug scheint ein weltweit ausgefeiltes Schneeballsystem zu sein. Die Profispieler spielten mit Geldern die sie gar nicht zur Verfügung hatten. Dies wirft ein völlig neues Licht auf das Unternehmen Full Tilt. Diese Art Schneeballsystem gab es schon einmal in den 1920er Jahren, als Charles Ponzi Anleger um Beträge in Millionenhöhe betrogen hatte.

Das System ist im Prinzip ganz einfach. Full Tilt funktioniert wie die meisten Online Casinos. Man zahlt mit Hilfe von Kreditkarte oder einer anderen Möglichkeit Geld auf sein Spielerkonto bei Full Tilt ein. Mit diesem Geld kann dann gespielt werden. Es kann vermehrt aber auch gemindert werden. Das virtuelle Guthaben kann dann bei Bedarf ausgezahlt werden. Im Falle von Full Tilt ist dies jedoch nicht möglich, da die virtuellen Guthaben durch den Betrug über das Schneeballsystem gar nicht existierten.

Es wurde also mit Geldern gespielt, die gar nicht vorhanden waren. Die Besitzer von Full Tilt hätten sich Gerüchten zu Folge jahrelang selber Geld ausgezahlt, weshalb das wahre Vermögen schrumpfte, während es in der virtuellen Welt weiter existierte. Dies erklärt auch die Zahlungsschwierigkeiten, die das Unternehmen seit dem Black Friday öffentlich bekannt gegeben hat.

geschrieben am 03.10.2011 von Stefan Endres


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